top of page

Trends im Recruiting 2026

  • Autorenbild: Julian Maly
    Julian Maly
  • 15. März
  • 10 Min. Lesezeit

2025 war für viele Unternehmen ein durchwachsenes Jahr im Recruiting: Der Arbeitsmarkt blieb angespannt, vielerorts fehlten Fachkräfte, und gleichzeitig schritt die Digitalisierung in hohem Tempo voran. 2026 verspricht nun ein Jahr des Aufbruchs zu werden – geprägt von disruptiven Trends und neuen Chancen. Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Künstliche Intelligenz (KI), internationale Rekrutierung, veränderte Anforderungen im Headhunting, Talent Intelligence und divergente Entwicklungen am Arbeitsmarkt werden die Agenda bestimmen.


Dieser Beitrag beleuchtet diese Entwicklungen, untermauert von aktuellen Daten und Beispielen, und zeigt auf, welche Impulse Unternehmen und HR-Entscheider im DACH-Raum daraus für die Zukunft ziehen können.



Fachkräftemangel und Demografie: Dauerbaustelle Arbeitsmarkt

Der Fachkräftemangel ist längst keine konjunkturelle Delle mehr, sondern eine strukturelle Herausforderung:

  • Aktuell sind allein in Deutschland rund 1,8 Millionen Stellen unbesetzt

  • In Österreich beklagen 78% der Unternehmen, dass qualifiziertes Personal fehlt

  • Die durchschnittliche Vakanzzeit liegt mittlerweile bei über 120 Tagen

  • Jede vierte Stelle bleibt sogar länger als ein halbes Jahr ohne passende Besetzung

  • Betroffen sind viele Branchen quer durch alle Qualifikationsniveaus – von Tourismus und Handwerk über IT bis zur Pflege


Als zentraler Treiber dieses Engpasses wirkt der demografische Wandel. Die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge verabschieden sich vermehrt in Rente, während deutlich weniger junge Arbeitskräfte nachrücken. Das Erwerbspersonenpotenzial schrumpft, was bedeutet, dass der Kampf um die verbleibenden Talente härter wird. Die Datenlage ist eindeutig: Diese Lücke wird sich langfristig weiter verschärfen, selbst wenn temporäre Faktoren wie eine konjunkturelle Flaute kurzfristig Entlastung bringen.

Wir befinden uns an einem Wendepunkt, in dem bereits eine Rückkehr zu konjunkturellen Wachstumsraten zwischen 1 und 2 % den strukturellen Fachkräftemangel wieder in einen „war for talents“ verwandeln.


Technologie und KI als Gamechanger im Recruiting

Angesichts knapper Personalressourcen eruieren viele Personalabteilungen, wie Technologie helfen kann, effizienter Talente zu finden und zu binden. Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren bereits eine stille Revolution im Recruiting vollzogen: Automatisierung hat überall Einzug gehalten. Rund 38 % der Unternehmen weltweit nutzen heute darüber hinaus bereits KI-gestützte Tools im Recruiting – Tendenz stark steigend. Diese Tools automatisieren Routineaufgaben und beschleunigen Prozesse: Moderne Bewerbermanagement-Systeme durchsuchen etwa Lebensläufe automatisiert nach passenden Qualifikationen, planen Interviews per Klick und halten Kandidat*innen mit Echtzeit-Updates auf dem Laufenden. In der Praxis zeigt sich der Nutzen deutlich: In einer Befragung gaben 64% der Recruiter, die mit einem modernen Bewerbermanagement-System arbeiten, an, ihre Prozesse seien effizienter und transparenter geworden. Wertvolle Zeit, die für die persönliche Ansprache von Talenten wird gewonnen.


Die neuesten KI-Anwendungen gehen sogar noch einen Schritt weiter. Auf HR-Messen sorgen aktuell KI-gestützte Interview-Avatare für Aufsehen: digitale Agenten, die eigenständig Erstgespräche mit Bewerbenden führen können. Ein erster Testlauf zeigte, dass ein solcher AI-Agent erstaunlich flüssig Fragen stellt und auf Antworten „menschlich“ reagiert Doch trotz aller technologischen Reife bleibt eine Hürde: die Akzeptanz. Nicht jeder Kandidat fühlt sich wohl dabei, sein erstes Vorstellungsgespräch mit einer Maschine zu führen – gerade im durch persönliche Kontakte geprägten Mitteleuropa ist die Skepsis (zum Glück) hoch. Hier werden Unternehmen sensibel vorgehen und klar kommunizieren müssen, wo KI unterstützt und wo menschliche Ansprechpartner den Prozess begleiten.


Ohnehin gilt: KI ist Hilfsmittel, nicht Ersatz. Menschliche Urteilsfähigkeit und das Gespür erfahrener HR-Profis bleiben unersetzlich. Führende Recruiter verfolgen daher einen augmentierten Ansatz: KI übernimmt die Fleißarbeit – das Durchforsten riesiger Talentpools, das Matching nach vorgegebenen Kriterien, das Beantworten häufiger Bewerberfragen via Chatbot – während die finalen Entscheidungen und das Beziehungsmanagement beim Menschen bleiben. So gewinnen Personalberater und Recruiter mehr Freiraum für das, was Maschinen nicht können: Vertrauen aufbauen, individuelle Eignung im Gespräch ausloten und Kreativität in der Kandidatenansprache zeigen.


Parallel dazu schärfen Gesetzgeber den Rahmen: Die EU klassifiziert KI-gestützte Recruiting-Software ab 2026 als „Hochrisiko-Anwendung“, was umfangreiche Dokumentations- und Transparenzpflichten für Unternehmen bedeutet. Unternehmen müssen genau nachweisen, wie ihre Algorithmen arbeiten, und sicherstellen, dass Diskriminierungsfreiheit und Fairness gewährleistet sind. Diese Regulierung zielt darauf ab, Bias in automatisierten Auswahlprozessen zu minimieren und das Vertrauen von Bewerbenden zu stärken. Gleichzeitig tritt eine neue Entgelttransparenz-Richtlinie in Kraft, die Arbeitgeber verpflichtet, Gehaltsspannen in Stellenanzeigen anzugeben (was in Österreich zum Teil bereits durch das GbG umgesetzt ist.) Auch dies verändert das Recruiting-Spiel: Offen kommunizierte Konditionen schaffen Vertrauen und ersparen langwierige Gehaltsverhandlungen – ein Pluspunkt in einem Markt, in dem Schnelligkeit zählt.



Internationale Rekrutierung: Talentsuche jenseits der Grenzen

Angesichts des regionalen Fachkräftemangels suchen immer mehr Unternehmen ihr Glück weltweit. Remote Work und digitale Kollaboration haben in der Pandemiezeit ihre Feuertaufe bestanden und sind nun fester Bestandteil der Arbeitswelt. Was vor wenigen Jahren noch Ausnahme war, etabliert sich als Standard: Über 50% der HR-Verantwortlichen planen laut Studien, die internationale Rekrutierung in den kommenden drei Jahren auszubauen. Dieser Trend wird befeuert durch den Mangel an lokalem Fachpersonal und den Wunsch, auf globale Talentpools zuzugreifen. Das Angebot flexibler Arbeitsmodelle spielt dabei eine Schlüsselrolle. Nahezu jeder zweite neue Job weltweit wird inzwischen remote oder hybrid ausgeschrieben - nicht mehr als pandemiebedingte Notlösung, sondern weil der Markt es verlangt. Unternehmen, die ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen, vergrößern dadurch ihren Radius: Plötzlich kommen Kandidat*innen aus ganz anderen Regionen oder Ländern in Betracht. Ein österreichisches Unternehmen kann etwa einen gesuchten Spezialisten aus Deutschland oder der Schweiz einstellen, ohne dass dieser umziehen muss.


Staatliche Weichenstellungen unterstützen diesen Kurs. Deutschland etwa hat 2023/24 das Fachkräfteeinwanderungsgesetz reformiert, um qualifizierten Zuzug zu erleichtern: Mit der neuen „Chancenkarte“ auf Basis eines Punktesystems und gelockerten Anerkennungsverfahren wird der Weg für Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten vereinfacht. Pro Jahr dürfen nun bis zu 50.000 Arbeitskräfte zusätzlich aus Drittstaaten kommen – doppelt so viele wie zuvor. Diese Öffnung spiegelt die Erkenntnis wider, dass der Talentbedarf ohne internationale Fachkräfte kaum zu decken sein wird. Die Vorteile der globalen Rekrutierung liegen auf der Hand: Unternehmen können Positionen schneller besetzen, weil sie aus einem größeren Bewerberpool schöpfen, und sie profitieren von der Diversität internationaler Teams. Zudem zeigen Untersuchungen, dass Stellenanzeigen mit Remote-Option im Schnitt 2,6-mal mehr Bewerbungen erhalten - viele hochqualifizierte Kräfte wählen ihren Arbeitgeber heute gezielt nach Freiheitsgraden wie Homeoffice-Möglichkeit aus, nicht allein nach Gehalt.


Für Kandidat*innen wiederum öffnen sich Karrierechancen jenseits der Heimatmärkte: Hochspezialisierte Fachkräfte können, unterstützt von Relocation-Services oder Visa-Programmen, attraktive Jobs in der DACH-Region annehmen, ohne anfangs Deutsch fließend zu beherrschen, oder sie arbeiten einfach remote für ein Unternehmen in Wien, Zürich oder München.


Natürlich steigt mit dem globalen Zugriff auch die Konkurrenz um Talente. Unternehmen im DACH-Raum befinden sich nicht mehr nur im lokalen Wettbewerb, sondern ringen mit Arbeitgebern weltweit um die Besten. Das erfordert kulturelle Offenheit, mehrsprachige Recruiting-Prozesse, Kenntnis internationaler Arbeitsmarktbedingungen und oft auch kreative Angebote, um Talente zum Kommen oder Bleiben zu bewegen. Doch die Mühe lohnt sich: Globale Rekrutierung ist kein Luxus mehr, sondern entscheidend für den Unternehmenserfolg in einer Zeit, in der Fachkräfte zur rar gehandelten Ressource geworden sind.



Headhunting im Wandel: Vom Dienstleister zum strategischen Talentpartner

Im Executive Search und Headhunting vollzieht sich 2026 ein bemerkenswerter Wandel. Wo früher vor allem jahrelange Erfahrung und klassische Lebensläufe zählten, zählen jetzt frische Potenziale und passgenaue Fähigkeiten. Durch die Pensionierungswelle erfahrener Babyboomer stehen immer weniger Kandidaten mit „30 Jahren Führungserfahrung“ auf dem Markt zur Verfügung. Unternehmen reagieren darauf, indem sie ihre anfänglichen Anforderungsprofile öffnen: Gesucht werden vermehrt „Emerging Leaders“, also jüngere Talente mit spezieller Expertise, oder Quereinsteiger mit übertragbaren Kompetenzen. Entscheidend ist nicht mehr der lückenlose Karriereweg in Konzernen, sondern dass Kandidat*innen die Zukunftskompetenzen mitbringen, die heute gefragt sind – von agilem Arbeiten über Innovationsfähigkeit bis zu modernen Führungsqualitäten. Dieses Umdenken erweitert den Kreis potenzieller Kandidaten enorm und fördert nebenbei mehr Diversität in den Chefetagen: So erhält etwa eine Digital-Expertin aus der Start-up-Welt die Chance auf eine Managementrolle in einem traditionellen Mittelständler, wenn sie die passenden Skills und Mindset vorweisen kann – auch ohne jahrzehntelange Konzernkarriere.


Für Headhunter bedeutet das: Die Suchkriterien verschieben sich. Statt nur in bekannten Netzwerken nach dem nächstbesten „Klone“ eines bisherigen Stelleninhabers zu fahnden, müssen sie transversal denken – über Branchen- und Altersgrenzen hinweg nach verborgenem Talent suchen. Damit einher geht der Einsatz neuer Tools: Die Integration von KI in den Headhunting-Prozess ist seit Ende 2024 ein großes Thema. Moderne Executive-Search-Firmen nutzen KI-gestützte Plattformen, die z.B. digitale Footprints und Karriereverläufe analysieren, um passive Talente aufzuspüren. Algorithmen durchforsten in Sekunden globale Datenbanken nach passenden Profilen und können sogar erste Hinweise auf Cultural Fit liefern, indem sie öffentlich verfügbare Informationen (Publikationen, Online-Präsenzen) auswerten. Routineaufgaben wie das Vorselektieren von Lebensläufen oder das Verfassen von Stellenprofilen werden zunehmend automatisiert, was den Berater*innen mehr Zeit gibt für den persönlichen Beziehungsaufbau mit Kandidaten. Gleichzeitig unterstreichen die Top-Headhunter, dass KI immer nur Co-Pilot bleibt: Das finale Urteil, ob jemand wirklich ins Unternehmen passt, fällen nach wie vor menschliche Experten, die subtile Faktoren wie Chemie und Soft Skills erspüren.


Auffällig ist außerdem, dass Werte und Kultur zu festen Bestandteilen des Suchprofils werden. Unternehmen legen 2026 großen Wert darauf, dass neue Führungskräfte zur Unternehmenskultur und den CSR-Zielen passen. Headhunter müssen daher „weiche Faktoren“ viel intensiver abklopfen: Was treibt einen Kandidaten persönlich an? Wie wichtig sind ihm Nachhaltigkeit oder Diversität? Passt seine Führungsphilosophie zu unserer? Dieser Fokus erfordert eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Berater und Auftraggeber, um wirklich hinter die Fassade eines perfekten Lebenslaufs zu blicken.


Zugleich erweitern viele Personalberater ihr Leistungsspektrum. Headhunter agieren mehr und mehr als strategische Talentpartner ihrer Klienten: Sie beraten zu Talent-Pipelines (wie können wir schon heute Beziehungen zu den Talenten aufbauen, die wir morgen brauchen?), zu Employer Branding und Reputation (wie muss sich das Unternehmen präsentieren, um die gewünschte Zielgruppe anzuziehen?) und zu Retention-Strategien für Führungskräfte.



Talent Intelligence: Datengetriebene Talentstrategien

Während menschliche Beziehungen im Recruiting wichtig bleiben, wird die Basis für Entscheidungen zunehmend durch Daten untermauert. Der Begriff Talent Intelligence steht 2026 hoch im Kurs. Dahinter verbirgt sich ein datengetriebener Blick auf Talente, intern wie extern. Unternehmen sammeln und analysieren systematisch Daten über ihre eigene Belegschaft – welche Skills, Leistungen und Entwicklungspotenziale sind vorhanden – und verknüpfen diese mit Arbeitsmarktdaten aus der Außenwelt. Spezialisierte Talent-Intelligence-Plattformen und Analytics-Tools erlauben es, interne HR-Daten (z.B. Qualifikationsprofile der Mitarbeiter, Fluktuationsraten, Weiterbildungsfortschritte) mit Echtzeit-Infos über den externen Markt zu kombinieren. So lässt sich etwa erkennen, welche neuen Kompetenzen durch Trends wie KI oder Nachhaltigkeit gefragt sein werden und ob diese im Unternehmen bereits vorhanden sind oder erst entwickelt bzw. extern rekrutiert werden müssen.


Ein wichtiger Aspekt von Talent Intelligence ist das vorausschauende Planen. Während früher oft erst rekrutiert wurde, wenn die Stelle frei war, ermöglichen Predictive Analytics heute Prognosen: Welche Schlüsselkräfte könnten bald das Unternehmen verlassen (Stichwort Flight Risk)? Wann wird ein bestimmtes Team basierend auf Geschäftsprognosen personelle Verstärkung brauchen?Welche Qualifikationen sollten wir schon jetzt aufbauen, weil wir sie in zwei Jahren dringend benötigen? Diese Fragen lassen sich immer besser mit Daten beantworten. Unternehmen, die ihre HR-Kennzahlen im Blick haben – von Time-to-Hire über Cost-per-Hire bis zur Quality-of-Hire – und mit Marktdaten anreichern, können ihre Recruiting-Strategien laufend optimieren. In der Praxis bedeutet das beispielsweise: Man erkennt früh, welche Recruiting-Kanäle die besten Kandidaten liefern, und verteilt das Budget entsprechend effizient. Oder man kalkuliert die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Top-Talent ein Jobangebot annimmt, und passt das Angebot (Gehalt, Benefits, Flexibilität) datenbasiert an. So verwandelt sich Recruiting vom Bauchgefühl-getriebenen „Glücksspiel“ zu einem steuerbaren Prozess, der eng mit den Unternehmenszielen verzahnt ist. Allerdings bringt die Datenflut auch Herausforderungen: Datenqualität und -schutz müssen gewährleistet sein. Entscheidungen sind nur so gut wie die zugrundeliegenden Daten – unvollständige oder verzerrte Datensätze können in die Irre führen. Zudem braucht es im HR-Team neue Kompetenzen: Analytics-Know-how, Verständnis für statistische Zusammenhänge und die Fähigkeit, aus Zahlen die richtigen Schlüsse für die Praxis zu ziehen. Nicht zuletzt bleibt der Faktor Ethik relevant, wenn immer mehr Mitarbeiterdaten ausgewertet werden – Transparenz gegenüber den Beschäftigten und klare Regeln zum Datenschutz sind ein Muss.



Machtverschiebung am Arbeitsmarkt: Kandidat im Zentrum

Die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt gehen einher mit einer Verschiebung der Machtverhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. In der langfristigen Tendenz hat sich die Verhandlungsmacht deutlich in Richtung der Arbeitnehmer verlagert - vor allem in hochqualifizierten Segmenten und Regionen mit starkem Fachkräftemangel. Kandidat*innen können heute oft zwischen mehreren Angeboten wählen und haben klare Vorstellungen von ihren Bedingungen. Allerdings ist das Bild nicht einheitlich: Die wirtschaftliche Abkühlung in den Jahren 2023-2025 hat die extreme Dynamik der Arbeitnehmermärkte gebremst. Die vielzitierte „Great Resignation“ der Post-Pandemie-Zeit – eine Welle freiwilliger Jobwechsel – ebbte vorübergehend ab; in unsicheren Zeiten sank die Wechselbereitschaft. Werte wie Jobsicherheit und ein sicherer Hafen gewannen kurzfristig an Bedeutung gegenüber Maximalforderungen bei Gehalt oder Freizeit. Doch diese Atempause dürfte trügerisch sein: In Sektoren mit extremer Knappheit (etwa IT, spezialisierte Ingenieurfelder, Gesundheitsberufe) haben qualifizierte Fachkräfte weiterhin eine sehr starke Position. Hier müssen Arbeitgeber nach wie vor um Kandidaten kämpfen, mit schnellen Angeboten, attraktiven Konditionen und hohem Entgegenkommen, um überhaupt zum Zug zu kommen. Und sobald die Konjunktur insgesamt wieder anzieht, wird der Arbeitnehmermarkt rasch zurück sein – denn die demografische Knappheit ist ein permanenter Hintergrundfaktor.


Für Unternehmen heißt das, die eigene Verhandlungsposition realistisch einzuschätzen und flexibel zu bleiben. In manchen weniger angespannten Bereichen mögen Arbeitgeber momentan die Zügel etwas fester halten können und wieder verstärkt Auswahlkriterien anlegen oder moderater verhandeln. Doch kluge Arbeitgeber nutzen gerade die aktuelle Phase, um sich zu rüsten: Employer Reputation und Mitarbeiterbindung sind die Stichworte. Jetzt in Weiterentwicklung, Arbeitskultur und Purpose zu investieren, zahlt sich aus, wenn der War for Talent wieder voll entbrennt. Denn am Ende gewinnt nicht der, der am lautesten nach Talenten ruft, sondern der, der als Arbeitgeber überzeugen kann.


Wir beobachten, dass insbesondere die jüngere Generation neue Akzente setzt. Gen Z und die kommenden Generationen legen Wert auf authentische Kommunikation, Sinnhaftigkeit der Arbeit und Weiterentwicklungsmöglichkeiten, oft mehr noch als auf das höchste Gehalt. Sie erwarten eine reibungslos digitale Candidate Experience, vom Smartphone-optimierten Bewerbungsprozess bis zur schnellen Rückmeldung und zugleich wünschen sie sich Transparenz und Ehrlichkeit – sei es bei Gehältern, Feedback oder Unternehmenskultur. Ein langsamer, intransparenter Recruiting-Prozess wird von diesen Kandidaten kaum toleriert: Lange Formulare, unklare Abläufe oder wochenlanges Warten gelten 2026 als K.o.-Kriterium und führen direkt zur Absage oder zum Abwandern zum Wettbewerber.


Unsere Prognose: Der War for Talent wird sich 2026 und darüber hinaus weiter intensivieren. Aber die Gewinner werden jene Unternehmen sein, die verstanden haben, dass es nicht darum geht, verzweifelt den besten Talenten hinterherzujagen, sondern darum, selbst die beste Version als Arbeitgeber zu werden. Wer eine authentische, wertschätzende Kultur bietet, wer Technologien intelligent nutzt und gleichzeitig den Menschen in den Mittelpunkt stellt, wird im Machtpoker am Arbeitsmarkt die Trümpfe in der Hand halten.



Erfolgsfaktor Anpassungsfähigkeit

Die Welt des Recruitings steht 2026 an einem Wendepunkt. Die Spielregeln ändern sich rasant – doch für Unternehmen und HR-Verantwortliche liegen darin auch große Chancen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Flexibilität und Lernbereitschaft werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Arbeitgeber müssen bereit sein, neue Wege zu gehen, sei es durch den Einsatz von KI und Datenanalysen, durch das Aufbrechen traditioneller Anforderungsprofile oder durch das Erschließen globaler Talentmärkte. Gleichzeitig dürfen sie den Menschen hinter all der Technologie nie aus dem Blick verlieren.


Die zentralen Trends – vom Fachkräftemangel über die Digitalisierung bis hin zum Wertewandel der Arbeitnehmer – erfordern eine aktive Gestaltung statt bloßes Reagieren. Wer frühzeitig auf Skill-basierte Recruiting-Ansätze umstellt statt an starren Lebensläufen zu kleben, wer im Unternehmen eine Kultur des Lernens und Weiterentwickelns etabliert, wer Diversität und Inklusion als Stärke begreift und wer seine HR-Prozesse strategisch an den Geschäftszielen ausrichtet, der wird die Nase vorn haben. Recruiting wird mehr denn je zur Chefsache und zum integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie.


2026 ist kein Jahr, in dem man einfach „weiter so“ machen kann. Zu viel ist in Bewegung: Der Arbeitsmarkt dreht sich vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt, die Technologie eröffnet ungeahnte Möglichkeiten und fordert uns gleichzeitig ethisch heraus, und die Globalisierung des Recruiting erhöht den Wettbewerbsdruck, bringt aber auch frischen Wind in erstarrte Strukturen. Für den DACH-Raum, dessen Wirtschaft auf hochqualifizierte Fachkräfte angewiesen ist, gilt besonders: Jetzt handeln, um morgen erfolgreich zu sein. Unternehmen, die Mut zum Wandel beweisen und sich an die Spitze der Entwicklungen setzen, werden aus dem Jahr 2026 gestärkt hervorgehen – mit den besten Talenten an Bord und bereit, die Zukunft zu gestalten.


Die gute Nachricht: Die Weichen sind gestellt. Recruiting 2026 ist digital und datengetrieben, aber auch menschlich und narrativ. Es verbindet das Beste aus zwei Welten – algorithmische Präzision und zwischenmenschliches Fingerspitzengefühl. Wer diese Balance meistert und bereit ist, kontinuierlich dazuzulernen, wird die kommenden Herausforderungen nicht nur bewältigen, sondern aus ihnen echten Wettbewerbsvorteil ziehen. In diesem Sinne: Machen wir 2026 zum Jahr, in dem Recruiting zur Innovationsfunktion wird – im Dienst der Menschen und der Unternehmen, die gemeinsam die Arbeitswelt von morgen formen.

Die Richtung ist klar: Das „Bauchgefühl“ wird durch einen technologie- und informationsgetriebenen Prozess ergänzt – ohne den Menschen aus der Gleichung zu nehmen, aber mit deutlich erweiterten Werkzeugen.


 
 

Personalberatung, Executive Search, Headhunting, Personalsuche und Personalauswahl für den Mittelstand, Familienunternehmen, KMUs, Scale-ups, institutionelle Kunden, Beteiligungsgesellschaften und Family Offices in Wien, München, Zürich - Deutschland, Österreich, Schweiz

fortalent GmbH
+43 664 915 00 42

Postgasse 8b, 1010 Wien, AT
Seidlstraße 5, 80335 München, DE

  • LinkedIn
kununu-logo-2023-white.webp
bottom of page