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Future Skills Update 2026

  • Julian Maly
  • 30. März
  • 5 Min. Lesezeit

Alle reden über KI. Über Automatisierung. Über Jobs, die verschwinden, und solche, die es noch gar nicht gibt. Alle diese Überlegungen sind wichtig und viele davon werden Realität sein. Laut dem Future of Jobs Report 2025 des World Economic Forum werden bis 2030 weltweit rund 170 Millionen neue Stellen entstehen, während 92 Millionen bestehende Rollen wegfallen. Das ergibt unter dem Strich einen Zuwachs von 78 Millionen Jobs. Das ist positiv, aber auf individueller Ebene nur, wenn man die richtigen Fähigkeiten mitbringt.


Im Recruiting sind wir bereits jetzt täglich damit konfrontiert: 39 Prozent der Kernkompetenzen, die heute in Jobs gefragt sind, werden sich rasch verändern. Nicht irgendwann. Innerhalb der nächsten 48 Monate. 63 Prozent der Arbeitgeber sehen den Skill Gap bereits jetzt als größtes Hindernis für ihre Transformation.


Wer an seiner Employability arbeiten will, muss sich die Frage stellen, welche Fähigkeiten ihn unersetzbar machen können. Die Antwort darauf ist oft differenzierter, als man denkt.


Digitale Kompetenz: Ja, eh.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen. KI und Big Data stehen an der Spitze der am schnellsten wachsenden Skills. Gefolgt von Cybersecurity, technologischer Grundkompetenz und Datenanalyse. LinkedIn bestätigt das in seinem Skills on the Rise Report 2026: Prompt Engineering, Large Language Models, AI Business Strategy und Responsible AI zählen zu den am stärksten wachsenden Kompetenzen auf der Plattform – und zwar über alle Branchen hinweg, nicht nur in der Tech-Welt.


Auch der Stifterverband hat Ende 2025 sein aktualisiertes Future-Skills-Framework veröffentlicht – 30 Zukunftskompetenzen in fünf Kategorien, entwickelt mit über 50 Expertinnen und Experten und validiert durch mehr als 1.000 Befragte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Die Spitze des Frameworks bilden technologische Kompetenzen: KI, Machine Learning, Software Engineering, Cybersecurity und Data Science. Wer in einer Führungsposition ist und nicht versteht, was ein LLM kann und was nicht, wie Agentic AI funktioniert oder was Retrieval-Augmented Generation bedeutet – der wird Entscheidungen treffen, die auf einem veralteten Verständnis der eigenen Wertschöpfungskette basieren. Es geht nicht darum, selbst Systeme umzusetzen. Es geht darum, kompetent am Tisch zu sein, wenn es um die Frage geht, wo KI echten Wertbeitrag liefern kann.


Cybersecurity ist dabei ein Thema, das oft unterschätzt wird. Laut dem Pluralsight Tech Skills Report 2026 bewerten Techniker und Führungskräfte Cybersecurity als die wichtigste Kompetenz, die sie in diesem Jahr aufbauen müssen. Mit KI-gestützten Angriffen, strengeren regulatorischen Anforderungen und zunehmend hybriden IT-Infrastrukturen ist Sicherheitskompetenz kein reines IT-Thema mehr.



Menschliche Skills werden zum Differenzierungsfaktor

Und jetzt zum Teil, der in der Diskussion oft zu kurz kommt – obwohl er entscheidender ist als jede technische Zertifizierung: die menschlichen Fähigkeiten.


Resilienz, Flexibilität, Urteilskraft, Creative Thinking und Begeisterungsfähigkeit sind die Top 5 der heute geforderten Kernkompetenzen. Nicht KI. Nicht Datenanalyse. Sondern die Fähigkeit, klar zu denken, unter Druck Entscheidungen zu treffen, Teams zu führen und kreative Lösungen zu finden.


Die Skills on the Rise 2026 zeigen, dass People Skills – Cross-Functional Collaboration, Team Management, Mentorship – massiv an Bedeutung gewinnen. Ebenso wie Executive Communication, also die Fähigkeit, Klarheit in unsicheren Situationen zu schaffen. Der Befund ist eindeutig: Je mehr Technik den Arbeitsalltag durchdringt, desto wertvoller wird die Fähigkeit, mit Menschen zu arbeiten.


Das deckt sich mit dem, was wir im Recruiting täglich erleben. Menschen scheitern kaum an fehlendem Fachwissen. Viel eher an mangelnder Anpassungsfähigkeit, an der Kommunikation in Zusammenarbeit mit wesentlichen Stakeholdern, an fehlendem Gespür für die Dynamik einer Organisation in Transformation.

Die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und produktiv damit umzugehen, ist direkt mit Führungserfolg verknüpft: Teams mit solchen Führungskräften performen bis zu 35 Prozent besser in Produktivität und Engagement. Nicht umsonst zählt Emotionale Intelligenz neben Adaptability, Critical Thinking, Digital Fluency und Ethical Decision-Making zu den fünf wichtigsten Soft Skills für 2026.



Anpassungsfähigkeit als zentrale Metakompetenz

Wenn man all die Reports, Frameworks und Rankings destilliert, bleibt eine Fähigkeit übrig, die alles andere verbindet: Anpassungsfähigkeit. Oder, etwas präziser ausgedrückt: die Fähigkeit, schnell Neues zu lernen, Gewohntes zu VERlernen und in veränderten Kontexten handlungsfähig zu bleiben.


Die Zukunft der Arbeit gehört nicht mehr denen mit den besten Abschlüssen, sondern denen, die anpassungsfähig, vorausschauend und bereit sind, neue Tools & Skills zu lernen. Anpassungsfähigkeit ist die am stärksten nachgefragte Eigenschaft für 2026 – insbesondere, weil sich Jobprofile mittlerweile im Halbjahrestakt verändern.


Man nennt es auch „Transformative Zukunftskompetenzen“: Innovationskompetenz, Systemdenken, Nachhaltigkeitskompetenz, Ambiguitätstoleranz. Dahinter steht die Erkenntnis, dass Transformation nicht mehr die Ausnahme ist, sondern der Normalzustand.



Was an Bedeutung verliert, und warum das relevant ist

So wichtig es ist, die richtigen Skills aufzubauen, so wichtig ist der Blick auf das, was an Relevanz verliert. Laut WEF Future of Jobs Report sehen die Arbeitgeber bei Lesen, Schreiben und Rechnen (als Basiskompetenz), bei manueller Geschicklichkeit und bei reiner Zuverlässigkeit und Detailorientierung rükläufige Bedeutung voraus. Das heißt nicht, dass diese Dinge unwichtig werden. Es heißt, dass sie nicht mehr als Differenzierungsmerkmal gesehen werden.


Rollen wie Dateneingabe, klassische Buchhaltung, einfacher Kundensupport und administrative Assistenz gehören zu den am schnellsten schrumpfenden Jobprofilen. Goldman Sachs geht davon aus, dass Generative AI allein 2026 das Äquivalent von 25 Millionen Vollzeitstellen ersetzen könnte. Laut einer aktuellen Brookings-Analyse trifft es dabei überproportional White-Collar-Jobs im Bereich Marketing, Finanzanalyse und Kundenkommunikation – also Bereiche, in denen man sich bisher sicher fühlte.


Wer rechtzeitig in die richtigen Kompetenzen investiert, profitiert von genau dieser Verschiebung. Denn die neuen Rollen – AI Engineer, Data Scientist, Cybersecurity Specialist, Customer Success Manager, Head of AI – entstehen schneller, als sie besetzt werden können. LinkedIn meldet allein in den letzten zwei Jahren 1,3 Millionen neue KI-bezogene Jobs weltweit. Und die Nachfrage nach Head-of-AI-Positionen steigt im DACH-Raum wirklich schnell, das zeigt die Praxis.



Was das für die eigene Karrierestrategie heißt

Die Datenlage ist klar. Die Frage ist, was man daraus macht. Hier meine Einschätzung – aus der Perspektive von jemandem, der täglich mit Entscheidern spricht, die genau diese Fähigkeiten bei Kandidaten suchen:


  • KI-Literacy ist Pflicht

    Das gilt für Ingenieure genauso wie für Geschäftsführer. Wer nicht versteht, was Prompt Engineering, LLMs und Agentic AI leisten können, wird zunehmend abgehängt.


  • Investiere in Soft Skills

    Emotionale Intelligenz, Kommunikationsstärke, Anpassungsfähigkeit und Leadership lassen sich entwickeln. Aber nicht durch ein Wochenend-Seminar, sondern durch bewusste Praxis on-the-job. Fünf Minuten Reflexion am Tag. Aktives Zuhören in jedem Gespräch. Feedback einholen, nicht abwarten. Wer das systematisch macht, baut einen Vorteil auf, den keine Zertifizierung ersetzen kann.


  • Werde zum Generalisten mit Tiefe

    Die erfolgreichsten Kandidaten, die wir platzieren, sind keine reinen Spezialisten. Es sind Menschen, die ihre fachliche Tiefe mit breitem Kontextwissen, strategischem Denken und der Fähigkeit verbinden, über Funktionsgrenzen hinweg zu arbeiten. Dialogfähigkeit, Kooperation, Partizipation. Im Arbeitsalltag heißt das: die besten Lösungen entstehen nicht in Silos.


  • Continuous Learning

    Die Halbwertszeit von Fachwissen schrumpft. Was heute State of the Art ist, kann in zwei Jahren veraltet sein. Der WEF-Report nennt „Curiosity and Lifelong Learning“ als eine der am stärksten wachsenden Kernkompetenzen. Wer nicht strukturelle Voraussetzungen für Lernen schafft, verliert.



Arbeitgeber in der Pflicht

Die Implikationen für Arbeitgeber sind mindestens genauso groß. Laut dem Cornerstone Skills Economy Report 2026 berichten nur 12% der Unternehmen, dass sie eine starke Pipeline von Führungskräften haben, die in der Lage sind, Veränderungsprozesse zu steuern. 12 Prozent!


Für den DACH-Mittelstand bedeutet das: Wer heute nicht aktiv in den Aufbau von KI-Kompetenzen, Leadership-Entwicklung und Skill-basiertes Recruiting investiert, verliert Zukunftskompetenzen. Die besten Leute gehen zu den Arbeitgebern, die ihre Entwicklung ernst nehmen. Skills-first Hiring – also die Besetzung nach Fähigkeiten statt nach Titeln oder linearen Lebensverläufen – wird zur Notwendigkeit.


Die Frage ist nicht, ob sich der Arbeitsmarkt verändert. Er tut es bereits, schneller und tiefgreifender als die meisten wahrhaben wollen. Die Frage ist, ob man die Konsequenz zeigt, sich darauf vorzubereiten.



 
 
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